Sehr häufig sieht man in den Städten Obdachlose, die von Hunden begleitet werden. Viele Menschen haben großes Mitleid mit diesen Hunden, da diese ihrer Meinung nach kein schönes Leben führen.
Aber geht es diesen Hunden wirklich so schlecht?

Um dies zu beurteilen, muss man sich das Leben dieser Hunde genauer anschauen. Zunächst einmal haben sie ein Privileg, das die meisten Hunde in unseren Haushalten nicht mehr haben: Sie sind den ganzen Tag mit ihrem Menschen zusammen. In einer Zeit, in der immehr Menschen als Single leben, eine Zeit, in der das Geld immer knapper wird, sodass in einer Familie beide Partner arbeiten müssen, ist das Erste, das viele Hunde heutzutage lernen müssen, alleine zu bleiben. Und zwar in der Regel vier bis acht Stunden, und manchmal leider sogar noch länger. Nicht alle Hunde haben damit große Probleme, doch gibt es viele, die ihre Frustration in Zerstreungswut umsetzen. Oder der Hund zeigt seine Angst und Hilflosigkeit darin, dass er stundenlang bellend oder heulend hinter der Tür sitzt, manchmal vor Angst zitternd und hechelnd. Alle diese Probleme bleiben den Hunden der Obdachlosen erspart, denn egal, wohin auch immer der Obdachlose geht, sein Hund ist mit dabei!
Friedlich, auch ohne Festes Heim
Wenn man diese Hunde genauer beobachtet, stellt man fest, dass die Beziehung, zwischen Mensch und Hund hier in der Regel stimmt. So gibt es kaum Problemhunde, die Tiere verstehen sich gut mit Menschen, sind gut sozialisiert mit anderen Hunden, laufen auch im dichtesten Stadttreiben nicht weg und orientieren sich immer an ihrem Menschen. Wie kommt das?
Die Obdachlosen haben in der Regel eine vernünftige Auffassung ihren Hunden gegenüber:
Die Hunde sind ihre Begleiter, sie erhalten Ansprache und Aufmerksamkeit, aber sie werden nicht vermenschlicht. Hat ein Obdachloser einmal genügend Essen zur Verfügung, bekommt der Hund selbstverständlich etwas davon ab. Würde der Hund aber nach dem Essen schnappen, würde er im gleichen Augenblick korrigiert werden.
Dazu ist Essen einfach zu kostbar. Und das macht eben gute Hundeerziehung aus:
Teilen von Ressourcen, aber direkte Korrektur, wenn ein Verhalten nicht gewünscht ist. Und die Korrektur muss angemessen sein. Warum sollte man dem Hund noch stundenlang böse sein? Hat er sich zurückgezogen, kann es sein, dass er am Ende doch noch den letzten Rest des Essens bekommt. Hunde sind nicht nachtragend. Und warum übertrieben Gewalt einsetzen? Stimmt die Beziehung zwischen Mensch und Hund, reicht eine artgerechte Korrektur z.B. durch einen Nackenstoß, also einen festen Stups in die Hals-Nacken-Gegend. Da bentigt man kein Stachel-oder Stromhalsband!
Zudem erwartet der Obdachlose von seinem Hund in der Regel auch nicht mehr, als dieser geben kann. Er ist für ihn Ansprechpartner in einsamen Zeiten, Wärmequelle in der Kälte und Alarmanlage, falls Gefahr in der Nacht droht. Der Hund muss nicht irgendwelche Tricks erlernen oder besondere körperliche Merkmale aufweisen.
KRANKHEITSVORSORGE IST EIN PROBLEM
Aber es gibt natürlich auch Nachteile:
Die medizinische Versorgung der Hunde ist in der Regel relativ schlecht, denn dazu reicht das Geld oft nicht. Und wenn es dann keine unentgeltliche Versorgung gibt, werden Wunden lediglich notdürftig verbunden, Impfungen, Entwurmungen, alle wichtigen Vorsorgeleistungen eingespart. Daher ist es sehr sinnvoll, dass in einigen Städten bereits mobile Tierärzte diese Tiere kostenlos behandeln, impfen und versorgen. Ein weiteres Problem ergibt sich im Winter, wenn es einfach zu kalt ist, um die Nächte im Freien zu verbringen. Nicht viele Einrichtungen, an die Obdachlose sich in einer solchen Zeit wenden, erlauben ihren Besuchern, Hunde mitzubringen. Aber wohin dann mit dem Hund? Viele Obdachlose bleiben aus diesem Grund draußen, sie nehmen lieber Erfrierungen in Kauf, als ihren treuen Begleiter alleine auf der Straße zurückzulassen.
Hier besteht noch Handlungsbedarf!
WENN HUNDE ZU BETTLERN WERDEN
Und wann ist die Hundehaltung von Obdachlosen als negativ anzusehen? Immer dann, wenn aus dem Leid der Hunde Geld gemacht werden soll. Wenn also der saubere Welpe kurz angebunden auf der Decke liegt und sich nicht wegbewegen kann oder der dreibeinige Hund mit dem Hut herumgehen muss, um doch ein paar Euro lockerzumachen. Dann wird der Hund Mittel zum Zweck, und dies sollte man auf keinen Fall unterstützen.