Drei Supernasen im Polizeidienst
Freitag, 23. Oktober 2009Erstmals Personenspürhunde bei den Präsidien Mainz, Koblenz und Trier: Ihre Aufgabe ist vor allem die Suche nach Vermissten
Bei der rheinland-pfälzischen Polizei haben die ersten drei Personenspürhunde den Dienst aufgenommen. Die Rüden der Rasse Bayerische Gebirgsschweißhunde sollen vor allem vermisste Personen aufspüren. Gestern durften Kimba, Paul und Elvis in die Mainzer Innenstadt vor laufenden Kameras zeigen, was sie drauf haben.

Auf dem Schillerplatz vor dem Innenministerium steht ein verlassener Lieferwagen. Die Fahrerin ist “verschwunden”. Kimba soll sie im Gewirr der AItstadtgassen finden. Ein normaler Schutzhund der Polizei könnte das nicht. Er kann einer Fährte nur im Wald oder auf der Wiese folgen. Frische Spuren bräuchte er, und dennoch wäre er nicht in der Lage, eine ganz bestimmte Person aufzuspüren. Kimba, Paul und Elvis beherrschen das. Die drei Höchleistungsnasen im Polizeidienst sind nicht auf Rauschgift oder Sprengstoff spezialisiert sondern auf das Aufspüren einzelner Menschen. Der Boden spielt keine Rolle. Die Vierbeiner folgen der Spur auch über PfIaster und Asphalt. Gut ist es für sie, wenn die Fährte schon einige Stunden gelegt ist, bis zu drei Wochen darf sie alt sein.
Auf dem Schillerplatz beginnen die Vorbereitungen Kimbas Herrchen Kai Fischbach Diensthundeführer beim Polizeipräsidium Koblenz hat sich Einweg-Handschuhe übergezogen und wischt mit einem sterilen Tuch über das Lenkrad des verlassenen Lieferwagens. Das Tuch kommt in eine Plastiktüte. Spurensicherung Kimba ist aufgeregt. Aber nicht wegen der bevorstehenden Aufgabe und schon gar nicht wegen des Innenministers, der auch gekommen ist. Kimba freut sich über das Wiedersehen mit seinen Gefährten. Elvis schiebt in Trier Dienst. Paul in Mainz. Über kurz oder lang, so sagt Innenminister Karl Peter Bruch SPD), werde es wohl im Bereich eines jeden Polizeipräsidiums im Land einen Personenspürhund geben. Wertvoller Ratschläge für das Projekt Personenspürhunde habe man ich beider Polizei Thüringen und in der Schweiz geholt, erzählt Teamleiterin Nicole Oberlis. Gebirgsschweißhunde sind eine alte Jagdhunderasse und gelten als ausgezeichnete und “triebhafte” Fährtensucher, zudem als robust, langlebig und familienfreundlich. Die drei Spürnasen wurden vor zwei Jahren als Welpen gekauft, vorwiegend bei der Bereitschaftspolizei in Enkenbach-Alsenborn ausgebildet und leben jetzt zusammen mit einem anderen Polizeihund in der Familie ihres jeweiligen Hundeführers.
Über den Schillerplatz hasten Dutzende Menschen, rollen die Busse. An der Leine von Kai Fischbach macht sich Kimba ein “Duftbild” von der Umgebung des Lieferwagens dann wird die Nase tief in die Tüte mit dem Tuch gesteckt, und Sekunden später biegt Kimba in die richtige Gasse ein. Die neuen Hunde sollen vor allem für die Suche nach. Vermissten eingesetzt werden, Demente und Kleinkinder zum Beispiel, aber auch für die Suche nach Straftätern oder für die Rekonstruktion von Fluchtwegen.
Nach fünf Minuten hat Kimba die “vermisste” Frau in einem Hauseingang gefunden. Es gibt viel Lob und Mainzer Fleischwurst als Belohnung.



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