Und Geld stinkt doch!
Donnerstag, 29. Juli 2010“Indigo” hat einen guten Riecher für Banknoten: Vor dem Deutschen Schäferhund im Dienste des Polizeipräsidiums Rheinpfalz lassen sich Euro-Scheine kaum Verstecken. Der temperamentvolle Vierbeiner soll Bares aus kriminellen Quellen aufspüren.
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hat Euro-Banknoten erschnüffelt, die Hans-Jürgen SCHWARZ zwischen Wand und Büroschranck eingeklemmt hat. Durch heftiges Kratzen zeigt der Vierbeiner die Stelle an |
Edenkoben. Vor fast 200 Jahren kam es im kaiserlichen Palast in Rom zum Krach zwischen Vater und Sohn. Titus, Spross des amtierenden Herrschers Vespasian rümpfte die Nase, weil sein Herr Papa gerade eine Steuer für die öffentlichen Latrinen erfunden hatte. Der Kaiser konterte die Vorwürfe, indem er seinem jungen Kritiker die ersten Einnahmen unter die Nase hielt:
“Geld stinkt nicht!” Diese Rechtfertigung angesichts leerer Staatskassen zählt zu den Weisheiten des Altertums, die sich bis heute als geflügelte Worte großer Beliebtheit erfreuen.
Doch stimmt es wirklich, dass Geld nicht stinkt? “Indigo” weiß es nicht nur besser, sondern beweist auch noch überzeugend, wie sehr der römische Kaiser irrte. Der viereinhalb Jahre alte Rüde ist kaum zu bändigen, als ihm sein Hundeführer Hans-Jürgen Schwarz das Halsband überstreift: “Das ist der Schlüsselreiz” Der Schäferhund mit dem grauen Fell weiß durch dieses Signal, dass er jetzt wieder schnüffeln darf. Ohne Umwege stürzt “Kommissar Spürnase” auf einen Büroschrank zu: Zwischen Schrank und Wand sind unsichtbar eine Hand voll Scheine im Wert von 220 Euro eingeklemmt. Der Vierbeiner kratzt wie wild mit den Pfoten über den Schrank: Damit zeigt das Tier seinem Herrchen an, dass dort Banknoten sein müssen.
Was genau Indigo auf seinem Riecher-Radar empfängt, bleibt ein Rätsel. In dem Raum steht auch ein Kopierer mit Papierstapeln. Der Geruch von Papier allein kann es also nicht sein, der ihn auf die Spur bringt. Auch hat der Hund längst bewiesen, dass er sowohl druckfrisches Geld als auch Scheine, die bereits durch ungezählte Hände gegangen sind, er schnüffeln kann. Ob es die spezielle Druckfarbe der Banknoten ist oder ob das Papier besondere Stoffe enthält? Auch Hans-Jürgen Schwarz weiß darauf
keine Antwort: Indigo und die Bundesbank hüten ihre Geheimnisse, lassen sich in Sachen Euro und seiner anrüchigen Inhaltsstoffe nicht in die Karten schauen.
Wobei es dem Vierbeiner wohl relativ schnuppe ist, wonach er die Witterung aufnehmen soll: Entscheidend für ihn ist, dass er seinen Beute beziehungsweise Spieltrieb ausleben darf. Indigo beispielsweise war zunächst ausschließlich darauf trainiert, Rauschgift aufzustöbern. Inzwischen hat er sich erfolgreich im Geldfach weitergebildet. Diese Verbindung liegt nahe, erläutert Schwaz. Bei Dealern suchen die Ermittler häufig nicht nur verborgenes Rauschgift, sondern auch die aus den kriminellen
Geschäften erlangen Einnahmen, um sie zu beschlagnahmen.
Darüber hinaus könnte Indigo beispielweise nach Banküberfällen oder Unterschlagungen zum Einsatz kommen. Dann nämlich, wenn zu vermuten ist, dass Täter Geld in einem Erddepot oder etwa hinter der Verkleidung eines Autos versteckt haben. Beim Zoll haben sich solche Vierbeiner übrigens im grenznahen Einsatz bewährt: Die Fahrt so manches Schwarzgeld-Schmugglers endete vor der Schnauze dieser “Geldsachverständigen”
Zur Zeit ist Indigo der einzige Euro-Experte in den Reihen der pfälzischen Polizei-Diensthunde, drei weitere stehen Landesweit bereit. Darüber hinaus, gibt es noch eine Vielzahl weiterer vierbeiniger Spezialisten, die auf Geruch von Drogen, Leichen, Brandbeschleunigern oder auch Sprengstoff fixiert sind. Bei allen macht sich die Polizei den phänomenalen Geruchssinn der Tiere zunutze: Ihre Nasen mögen, zwar ständig feucht und kalt sein, aber: sie sind mindestens 1000-mal empfindlicher als diejenigen ihrer Herrchen.
So begeistert Indigo und Co in den Einsatz gehen, so rasch sind, sie freilich auch ermattet: Bei gemäßigten Temperaturen lässt die Konzentration nach etwa einer Viertelstunde nach. In der Sommerhitze brauchen die Tiere noch schneller eine Pause. Die extreme Art des Luftzuges, die Vielzahl an Schnüffelstößen stellen nach den Worten von Hans-Jürgen Schwarz für den Vierbeiner eine Höchstleistung dar. Das lässt sich so-gar mit dem Anstieg der Körpertemperatur belegen - hier kann man also mit Fug und Recht von einer “fieberhaften Suche” sprechen.
Als Lohn nach jedem Einsatz winkt das heiß geliebte Spielzeug: Begeistert schnappt Indigo nach dem Kunststoff - Wasserrohr, das ihm Hans-Jürgen Schwarz nach dem Euro-Fund hinter dem Büroschrank hinhält. Das durchlöcherte Rohr birgt Schnipsel - und damit auch den Geruch von Euro-Geldscheinen. Nach dieser Belohnung Indigo beim nächsten Einsatz wieder kaum zu bremsen sein. “Der hat gut Feuer der Bursche”, lacht sein Herrchen über das Temperament seines Vierbeiners. Müde Stubenhocker wären als Polizeihunde auch ungeeignet Schließlich ist Indigo zusätzlich bei ganz normalen Einsätzen gefordert. “Etwa, wenn es darum geht, Schlägereien zu beenden Meist trägt schon das Auftauchen von Diensthunden zur “Lagebereinigung” bei. Denn, so Schwarz trocken: “Ein Polizeihund diskutiert nicht”





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