Wenn der Vierbeiner in die Jahre kommt: Seniorengerechte Beschäftigung hält fit – Bei Beschwerden vom Fachmann untersuchen lassen.
Deutschlands Hunde werden im Schnitt elf Jahre alt. Vor allem kleinere Hunde leben sogar deutlich länger. Mit den Jahren kommen typische Beschwerden: Die Gelenke werden steif, die Sinne lassen nach, das Gedächtnis baut ab. Nicht alle Besitzer kommen mit den Bedürfnissen ihrer alten Hunde gut zurecht. Gut dran ist, wer frühzeitig vorsorgt.
„Verminderte Leistungsbereitschaft, vermehrtes Ruhe- und Schlafbedürfnis, weniger Bewegungsdrang, ergrautes Haarkleid, Herzerkrankungen, Veränderungen im Bereich der Mundhöhle und der Zähne, Nierenentzündungen, Verdauungsstörungen, Tumorerkrankungen, schlechtere Augen.“ Wenn Tierärzte typische Altersleiden aufzählen, weiß man nicht genau, ob diese von Hunden oder Menschen spricht. Tatsächlich ähneln sich viele Beschwerden: Die Sehkraft lässt nach, das Gehör wird schlechter, das Gehirn braucht länger, um Reize zu verarbeiten. „Es ist ganz wichtig, dass Hundehalter die Körpersprache ihrer Tiere zu deuten wissen“, sagen die auf Hunde insbesondere mit Handicap spezialisierten Trainer. „Viele Menschen können ihre Hunde trotz vieler gemeinsamer Jahre gar nicht richtig ‚lesen‘. Dann ist es natürlich schwer zu erkennen, ob der Hund ein ignorantes Verhalten zeigt oder ein Kommando gar nicht gehört hat.
Sondertrainer haben sich auf die Arbeit mit blinden, tauben oder behinderten Hunden spezialisiert. „Wenn ein Hund im Alter blind oder taub wird, ist er oft zunächst stark verunsichert“. „Das kann bis zu aggressivem Verhalten gehen.“ Deshalb ist es wichtig, schön in der Basiserziehung an später zu denken. Den Hund grundsätzlich auf Stimmen und Handzeichen ausbilden, auf Leinenführigkeit achten, das Körbchen an übersichtliche Stellen ohne Zug das nur über Treppen zu erreichende Obergeschoss zur Tabuzone zu erklären — wer solche Tipps beherzigt, hat es im Alltag leichter, wenn der alt gewordene Hund beim Gassi gehen vorbei fahrende Autos nicht mehr wahrnehmen kann oder keine Stufen mehr steigen will.
Das Altern des Hundes wird wesentlich von der Rasse beeinflusst. Große Hunderassen altern früher und haben allgemein eine kürzere Lebenserwartung als kleinere Hunde. „Wir sprechen bei großen Hunden im Alter von acht bis neun Jahren und bei Hunden kleiner Rassen erst ab etwa elf bis zwölf Jahren vom Beginn des Alterns“. Genau wie beim Menschen ist der Alterungsprozess beim Hund individuell verschieden. Auch wenn das Angebot an sogenanntem Seniorfutter in den Supermarktregalen stetig zu nimmt: Nicht jedes Tier braucht im Alter automatisch energiereduzierte Kost. Wenn zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen auftreten, kann auch das Gegenteil der Fall sein.
Deshalb raten Ausbilder/Trainer wie Tierärzte, einen Hund als erstes gründlich untersuchen zu lassen, wenn er Verhaltensauffälligkeiten zeigt. „Zögern Sie nicht, zum Spezialisten zu gehen. Es erleichtert den Alltag von Mensch und Tier zum Beispiel enorm, wenn klar ist, ob der schwerhörige Hund auf beiden Ohren sehr schlecht oder nur noch auf einem Ohr gut hört“, raten Qualifizierte Ausbilder/Trainer. „Fast alle vor allem bei älteren Tieren auftretenden Erkrankungen sind zu behandeln, in einigen Fällen aber leider nicht zu heilen“.
Beste Voraussetzung für ein langes, aktives Hundeleben „ist die art-und rassegemäße Haltung und Fütterung“. Mann zählt regelmäßige Impfungen mit der dabei erforderlichen klinischen Untersuchung und regelmäßige Wurmkuren zu den üblichen Vorsorgemaßnahmen. Darüber hinaus beuge körperliche und geistige Aktivität einem vorzeitigen Alter vor.
„Bloß nicht verhätscheln“, darüber sind sich Ausbilder/Trainer alle einig. „Auch Hunde wollen in Würde alt werden und aktiv bleiben.“ Seniorensport mit Apportieren oder Slalom gehe in Ordnung, solange die Dosis stimmt: „Hunde gehen oft über ihre Kräfte. Deshalb muss der Mensch den Elan rechtzeitig stoppen. Der Hund weiß ja nicht, dass er sich überfordert und am nächsten Morgen vor Schmerzen nicht mehr aufstehen kann.“ Eine gute Abwechslung im reizarmen Alltagstrott alter Hunde sind Futterspiele: Ein Teil der Tagesration, versteckt unter Joghurtbechern oder in speziellem Holzspielzeug, und los geht das Gehirnjogging.
——————– Zur Sache: Wenn der Abschied naht
Wenn Tiere nicht mehr artgemäß leben, können und oder erhebliche, langandauernde Schmerzen haben, die nicht zu beheben sind, empfehlen Tierärzte den Besitzern, das Tier einschläfern zu lassen. Der Schritt ist für beide Seiten mit Emotionen verbunden: „Leider spielen der emotionale Umgang mit der Euthanasie eines Tieres und der notwendige Zuspruch für die trauernden Besitzer in der Ausbildung an den Hochschulen keine Rolle“. „In der Praxis muss jeder Tierarzt für sich versuchen, die damit verbundenen Probleme zu lösen. Praktische Tipps und Entscheidungshilfen, etwa in der Frage nach den verschiedenen Bestattungsformen, geben auch Broschüren wie „Tod eines Tieres“, die die pharmazeutische Industrie ihren Partnerpraxen zur Verfügung stellt. Wenn ein Haustier stirbt, verlieren nicht immer nur Erwachsene einen Weggefährten. Auch Kinder müssen mit dem Verlust eines vierbeinigen Spielkameraden fertig werden. Das Kinderbuch „Baffy“ von Elizabeth Dale und Frederic Joos kann dabei helfen: Die Bilderbuch-Geschichte handelt von einem Jungen, dessen geliebter Hund stirbt. Das Buch soll Kindern den Umgang mit Trauer erleichtern und unterstützt Erwachsene, das Thema Abschied und Trauer kindergerecht zu vermitteln. Es ist kostenlos über den Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft zu beziehen.
((Deutschland’s Bernhardinerhalter B E W E G T- Bernhardinerzüchter mit Bewegungsängste))