Geschäft auf Kosten von Hund und Halter
Sonntag, 06. Juni 2010Tierschützer und Zuchtverbände warnen vor dubiosem Hundehandel - Meist werden viel zu junge Welpen aus Massenzuchten angeboten
Mitleid, die Aussicht auf ein Schnäppchen und Naivität der Käufer lässt dubiose Geschäfte mit Hunden zweifelhafter Herkunft blühen. Über das Internet und auf grenznahen Märkten wechseln viel zu junge Welpen, aber auch erwachsene Hunde zu Dumpingpreisen die Besitzer. Tierzüchter und Zuchtverbände bitten eindringlich, solche Hunde nicht zu kaufen.
Ein paar Fotos sind von der kleinen Luna geblieben. Eine Handvoll Hund, große Augen, das Fell schwarzbraun gezeichnet. Das Hundemädchen lebte nur etwa zwei Monate: Höchstens sechs Wochen alt wurde sie auf einem Markt an der deutsch-polnischen Grenze verkauft. Für Laien und das war die junge Frau, die sie für 35 Euro erwarb sah sie gut genährt aus. Doch Luna litt an blutigem Durchfall, war hochgradig verwurmt, hatte hohes Fieber. In einer Berliner Tierklinik bestätigte sich der Verdacht: Luna litt an der hochansteckenden Infektionskrankheit Parvovitrose, an der sie schließlich auch starb. 800 Euro Tierarztkosten waren der Tierschutzorganisation “Aktion Tier”, die sich Luna angenommen hatte und ihr Schicksal auch publik machte, entstanden.
Luna ist kein Einzelfall. Genaue Zahlen über den grenzüberschreitenden Hundehandel gibt es nicht. Doch Tierschutzvereine dokumentieren seit Jahren immer wieder drastische Fälle. Aus diesem Puzzle vieler einzelner Beschlagnahmungen und Anzeigen ergibt sich ein Bild: Vor allem über das Internet werden Hunde jeder Rasse angeboten. Sie stammen meist aus Osteuropa, aber auch aus Belgien und den Niederlanden. Die Übergabe findet auf Autobahnrastplätzen statt. Welpen kosten zwischen 250 und 400 Euro und damit rund die Hälfte weniger als bei einem seriösen Hobbyzüchter.
Nicht selten machen sich bei dem Handel beide Seiten strafbar: “Entgegen der Versprechungen der Händler sind die Welpen oft nicht geimpft oder Ausweise sind gefälscht. Begleitpapiere und Chips oder Tätowierungen fehlen, Seuchen wie Staupe und Parvovitrose und Erbkrankheiten wie Hüftdysplasie werden verschleppt”, skizziert vom Deutschen Tierschutzbund die Realität, je hinter dem scheinbar guten Geschäft steckt. Außerdem häuften sich Klagen von Hundeschulen: “Welpen, die mit vier bis sechs Wochen von der Mutter weggenommen werden, lernen weder, wie sie sich Hunden noch, wie sie sich Menschen gegenüber verhalten sollen”, Überängstlichkeit, Dauerkläffen der Angstbeißen sind typische Verhaltensstörungen, die Halter und Umwelt das Leben schwer machen.
Längst hat das Geschäft, das Tierschützer und viele Züchter eine “Mafia” nennen, auch den Mitleids-Faktor als gewinnsteigernd entdeckt: Etliche Transporte laufen unter dem Deckmantel des Tierschutzes”, schimpfen Experten. “Die Händler setzen darauf, dass Gutgläubige die scheinbar geretteten Hunde übernehmen.” dabei warten bereits rund 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen aufs neue Zuhause.
In Wahrheit zeigen Aussagen angezeigter Kuriere, dass die Hunde aus Massenzuchten mit minimalen Hygienestandards stammen. Die Muttertiere werden pausenlos trächtig gehalten und die Welpen gezielt nach vier Wochen abgesetzt. So lange schützt die Muttermilch vor Infektionen. Kommt die Handvoll Hund dann zwei Wochen später auf dem Autobahnparkplatz mitten in Deutschland an, sehen die Winzlinge war noch gesund aus, sind aber in der Regel bereits sehr krank. Auch eingefangene Straßenhunde werden als kinderliebe Familienhunde” angeboten. “Wer so einen Hund kauft, kurbelt dieses Geschäft an”, heißt es unisono bei Tierschutzorganisationen und dem VDH, dem Dachverband der deutschen Hundezüchter. “Nur wenn die Kunden wegbleiben, können wir den fragwürdigen Züchtern das Handwerk legen”, sagt die Vize-Präsidentin des Deutschen Tierschutzbundes.
In Deutschland regelt die Tierschutzhundeverordnung, dass gewerbsmäßige Züchter für jeweils bis zu zehn Zuchthunde und ihre Welpen eine Betreuungsperson stellen müssen. Selbst das hält Udo Kopernik vom VDH für hoch angesetzt. Größtenteils handele es sich bei den deutschen Züchtern aber ohnehin um Hobbyleute. “Die müssen viele Auflagen erfüllen, bevor sie züchten dürfen”, erläutert Kopernik, warum ein Welpe einer seltenen Rasse in Deutschland schon einmal 1000 Euro kosten kann. Die Anforderungen reichen von verschiedenen Vorbereitungs- und Weiterbildungsseminaren über die baulichen Voraussetzungen bis zum medizinischen Check von Eltern und Nachwuchs. Kopernik: jeder Züchter dokumentiert dieses ganze Prozedere gegenüber seinen Kunden.” Außerdem dürfen Hunde in Deutschland erst transportiert werden, wenn sie mindestens acht Wochen alt sind. Ohnehin versteht Udo Kopernik die Schnäppchenjagd auf den Hund nicht: jeder muss sich klar sein, was so ein Tier im Laufe seines Lebens kostet”, sagt er. “Die Anschaffungskosten sind nur ein Bruchteil.”

Zur Sache: Ungewollte Welpen beschäftigen Landgericht Welpenaufzucht ist zeitintensiv und teuer und außerhalb geplanter Zucht bleibt der Aufwand meist am Halter der Hündin hängen. Das wollte sich eine Frau in Bayern nicht gefallen lassen. Sie klagte auf finanzielle Unterstützung, nachdem ein amouröses Abenteuer ihrer Hündin gleich drei kleine Folgen hatte. Zwei Rüden aus der Nachbarschaft der Dame mussten zum “Vaterschaftstest”.
Die Untersuchung angeordnet hat das Landgericht Memmingen, nachdem die Halter der beiden Rüden den nicht für den von ihrer Nachbarin geforderten Unterhalt für die drei ungewollten Welpen aufkommen wollten.
Den Beschuldigten erschien die Begründung der Forderung zu vage: Die KIägerin hatte auf die mögliche Vaterschaft der beiden Dorfcasanovas geschlossen, weil zwei der kleinen Welpen den Nachbarshunden “verblüffend ähnlich” sahen.
Tatsachlich brachte der vom Landgericht eingeholte Vergleich des Erbguts das Ergebnis, dass Ergebnis, dass die verdächtigten Rüden das Herz der Hundedame nicht erobert hatten. Daraufhin nahm die Frau die Klage zurück. Das Gericht gab ihr noch den Tipp, dass sie ihre Hündin künftig einsperren solle, wenn die Hormone allzu heftig Purzelbaum schlagen (AZ: 1 S 353/08)
QUALITÄTSAUSLESE ??? ZUCHTAUSLESE ???7/8 AUGUST 2010 Ludwigshafen Internationale Ausstellung (67063 Ludwigshafen/Rhein, Friedrich Ebert Halle)


